Denkfest Tag 1

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Kunst & Kultur / Persönliches
11:17 Uhr

Ich bin nervös, ich bin eigentlich immer nervös. Aber wenn etwas Neues auf mich zukommt, dann besonders. Da helfen schon lange keine Bachblüten mehr. Tief durchatmen, Yasmin. Ich sitze im Zug Richtung Weinheim, eine kleine Stadt die zwischen Heidelberg und Mannheim liegt. Also gar nicht mal so weit weg von daheim. Ich bin noch immer im gleichen Bundesland, rede ich mir immer wieder ein.

Nachmittags findet die Redaktionssitzung statt. Wenn ich an bisherige Sitzungen zurückdenke, fällt mir nur folgendes ein: wildes Durcheinander. Ich glaube hier wird das anders sein: Aufgaben verteilt, Fragen geklärt. Man lernt sich zum ersten Mal kennen.

Spannung und Anspannung breiten sich in meinem Körper aus, darüber zu schreiben hilft meine Gedanken zu fokussieren und nicht irgendwelche Horrorszenarien im Kopf auszumalen.

Ich sitze in der 1. Klasse und fühle mich gut. Sonst fahre ich nie 1. Klasse mit der Bahn, aber ich glaube ich mache das ab jetzt öfters. Vorausgesetzt der Geldbeutel erlaubt es mir.

Wenn ich an meine letzte Konferenz denke, muss ich etwas schmunzeln. Es war in Cambridge, genauer im MIT Media Lab, ein beeindruckender Ort um zu denken, zwar ist der des Denkfestes 2015 nicht ganz so futuristisch, aber die Ideen drehen sich um die zukünftige regionale, sowie kulturelle Entwicklungen. Wie bringt man Kunst, Kultur und die Gesellschaft zusammen? Verschiedene Projekte werden vorgestellt, Workshops angeboten.

Ich selbst werde nicht nur als Besucher der Konferenz da sein, sondern berichten und die Leitfrage im Hinterkopf behalten. 

Diese Fragen versuchen wir bereits heute zu klären, um nicht am Mittwoch total verzweifelt an unseren Beiträgen zu sitzen und zu merken, dass etwas nicht so läuft wie man es gerne hätte.

Ich merke, meine Nervosität baut sich immer mehr ab. Ich bin gut vorbereitet. Ich bin neugierig auf das was mich erwartet. Ich bin offen für Neues.

23:17 Uhr

Ich liege in eines der zwei Betten in einem Doppelzimmer des Marktplatzhotels Tafelspitz.

“Der Internetzugang gilt nur für den Restaurantbereich,” sagt der Kellner hinter der Theke. Enttäuscht über internetlose Nächte, gehe ich aufs Zimmer, mache mich bettfertig und lege mich erschöpft hin.

Die Redaktionssitzung fand nachmittags rund 100 Meter vom Hotel entfernt statt. Eigentlich läuft das Denkfest in einem Radius von rund 100 Meter ab. Sehr übersichtlich und intim.

Organisatorisches wurde geklärt und Aufgaben verteilt. Ich habe Glück, mir wurden Themen zugeteilt die mich wahnsinnig interessieren und mit denen ich mich ein bisschen auskenne. So gehe ich nicht ganz unvorbereitet an Tag 2 auf die Konferenz.

Was mir auffällt ist, dass es sich eigentlich nur sehr bedingt gar nicht um Netzjournalismus drehen wird. Die Dokumentation ist ein Printmagazin mit einer Auflage von etwas mehr als 1000. Die Zielgruppe eher klein und speziell (Kunst- und Kulturschaffende), aber das macht für mich den Reiz aus. Dinge mit denen ich mich bis dato selten auseinander gesetzt habe. Diese Erfahrung sehe ich als fordernd und fördernd.

Meine Kollegen auf Zeit sind interessiert, smart, humorvoll, und offen für neue Ideen. Es machte Spaß mit ihnen über qualitativen Netz-Journalismus zu diskutieren, gemeinsam mit Vera Lisakowski vom Grimme Institut als Referentin, vor allem weil wenige sich intensiv damit bisher auseinander setzten. Ich möchte nicht behaupten, dass ich ein Experte bin, aber meine digitale Identität und Neugier auf neue Plattformen und Formate lassen es zu, Ansätze einzubringen, die oft so gar nicht in den Sinn kommen. Und vor allem sich Gedanken machen, wie sich das alles in den nächsten Jahren entwickeln kann und vor allem wird.

Netzjournalismus in Deutschland steckt noch in den Kinderschuhen, entwickelt sich aber im Zuge der ständigen Digitalisierung und der Erschließung neuer Lesergruppen rasant. Standards gibt es so gesehen noch keine xxxx

Ich gähne zum fünften Mal und entscheide mich, das Macbook zuzuklappen und mich noch ein wenig vom Nachtprogramm im Fernsehen zu berieseln.

Für weitere Informationen über das Denkfest solltet ihr beim Kulturbüro Rhein-Neckar vorbeischauen. Für mehr Informationen über das Grimme Institut und den Grimme Online Award (über den wir in kleiner Runde diskutiert haben) klickt hier.

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