Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt [Rezension]

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Literatur

In 2018 möchte ich mehr Bücher, Musik, Filme und Serien besprechen. Beginnen werde ich mit dem Roman, den ich zum Jahreswechsel fertig gelesen habe.

Im Rahmen eines Literaturseminars laß ich vor etwa vier Jahren Vor dem Sturm (Original: Salvage the Bones) und war umgehauen von Jesmyn Wards Erzählkunst. Nicht ohne Grund gewann sie 2011 den National Book Award für ihr Werk. 2017 folgte ihr dritter Roman Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt (Original: Sing, Unburied, Sing). Wieder wurde Ward von Kritikern gelobt, sie gewann abermals den National Book Award1 und erhielt den MacArthur Genius Grant für ihre Arbeit.  Ich hob mir das Buch für die ruhige, besinnliche Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr auf. Die deutsche Übersetzung erscheint im Februar diesen Jahres.

Handlung

Jojo und seine kleine Schwester Kayla leben bei ihren Großeltern Mam and Pop an der Golfküste von Mississippi. Leonie, ihre Mutter, kümmert sich kaum um sie. Sie nimmt Drogen und arbeitet in einer Bar. Wenn sie high ist, wird Leonie von Visionen ihres toten Bruders heimgesucht, die sie quälen, aber auch trösten. Mam ist unheilbar an Krebs erkrankt, und der stille und verlässliche Pop versucht, den Haushalt aufrecht zu erhalten und Jojo beizubringen, wie man erwachsen wird. Als der weiße Vater von Leonies Kindern aus dem Gefängnis entlassen wird, packt sie ihre Kinder und eine Freundin ins Auto und fährt zur »Parchment Farm«, dem staatlichen Zuchthaus, um ihn abzuholen. Eine Reise voller Gefahr und Hoffnung.

(Gekürzt. Quelle: Verlag Antje Kunstmann)

Meinung

Auch in ihrem vorliegenden dritten Roman, wie schon in ihrem vorigen Werk, ist ihr Prosa imposant, fast schon magisch. Die erschaffenen Charaktere komplex und dennoch zart. Besonders einer der Erzähler, Jojo, der sich abwechselnd mit seiner Mutter Leonie die Sprecherrolle teilt, sticht heraus. Sanftheit, Wut, Trauer, Liebe, manchmal im selben Moment, ließen mich sprachlos und ich musste für einen Augenblick durchatmen und verarbeiten. Halb “road novel,”  halb “gothic  fiction,” gelingt es Ward mMn hervorragend das Schicksal einer Familie, die Bewohner der fiktiven Stadt Bois Sauvage sind, zu porträtieren. Geprägt von Rassismus und Hurricane Katrina, ist Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt, ein wichtiger Roman in Trumps Amerika. Der Mythos von einem vereinten Amerika ist ebendas: ein Mythos.

Fazit

Ich kann jedem den Roman empfehlen, der sich für Literatur  aus den Südstaaten (hier: Mississippi Delta) der USA interessiert. Ich habe noch keines von Faulkners Werken gelesen, jedoch laß ich schon öfter, dass Wards Erzählungen eine ähnliche Stimmung erzeugen. Für mich ist Singt, ihr Lebenden und ihr Toten, singt sofort zum Klassiker aufgestiegen. Tage später denke ich noch über die Figuren und ihre Erlebnisse nach.

Meine Wertung: (5/5)


ISBN: 978-3-95614-224-6

Verlag: Antje Kunstmann

300 Seiten

Erscheinungstermin: 14.02.2018

Preis: 22,00 €


1. Jesmyn Ward ist die erste Frau (!), die zweimal den renommierten Preis für ihre Werke gewann. Sie folgt damit einer ihrer Inspirationen, William Faulkner.

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